Soundtrack einer Nacht

Model: Jana Catwing Photography: MK Photography schöne Frauen und Alkohol - eine tödliche Kombination. Da kann man eine Menge falsch machen. Oder alles. So wie ich manchmal.

Model: Jana Catwing Photography: MK Photography
schöne Frauen und Alkohol – eine tödliche Kombination.
Da kann man eine Menge falsch machen. Oder alles. So wie ich manchmal.

Erstmal beim DJ Hallo sagen und sich artig für die Gästelistenplätze bedanken, kurz mit dem ersten Bier anstoßen und dann ne Runde durch den Laden drehen. Noch n bisschen leer.  Merken: Nächstes mal gehts auch locker ne Stunde später. Oder zwei. Kurt, Dave und Krist sind allerdings schon da und wollen entertaint werden. Zur Überbrückung nochn Bier und nen Kurzen und die ankommenden Partygäste mustern: Naja, Rock-Night halt. Was wir genau erwartet hatten, wissen wir auch nicht so genau, aber irgendwie anderes.
Bekannte Gesichter getroffen. „Yeah, Ihr auch da. Sehr schön.“ „Trinken wir nen Jägermeister zusammen?“ „Logo“. Nochn Bier nochn Shot. If the kids are united.
Betriebstemperatur erreicht. Jetzt kanns los gehen. Nochmal ne Runde gedreht. Aber irgend so ein Wave-80er-Depri-Geheule spült uns vom großen Saal direkt wieder in die kleine Halle. Hier läuft Machinehead Davidian. Mörder Brett. Fast schade, dass es jetzt schon verballert wird. Hätten wir zu späterer Stunde bestimmt amtlicher abgefeiert.
Inzwischen doch recht voll geworden. Grüppchen unbegleiteter Frauen klammern sich an ihren Desperados und stillen Wassern. Desperat ist wohl der Gipfel der ungewollten Selbstironie, nur die Analogie zu den stillen, schmutzigen Wassern wankt an dieser Stelle. Wie auch große Teile des Publikums. Die waren wohl woanders vorglühen. Auch die Broilers befürchten, dass dies Ein harter Weg werden könnte.
Meinem Freund Thomas wird von einer kleinen Blonden, im eindeutig zu dichten Vorbeidrängeln, im gar nicht mal sooo dichten Gedränge mitgeteilt, dass sie jetzt an der Cocktailbar zu finden sei. Wann zur Hölle haben sich die beiden connected, bitteschön?! Ich hätt ihr ja hinterhergebrüllt: „Oh ja geile Idee! Bring mir was mit!“
Aber Thomas is mehr so der Frauenversteher und folgt ihr auffällig unauffällig. Hmm. Dann werd ich wohl allein nochn Bierchen trinken. Heeeyyyyy, der Ben steht an der Bar. „Jägi?“ „Check!“ Läuft.
Für Jungs wie uns haben Pennywise Bro Hymn geschrieben.
Raucherecke. Piepsstimme, von links unten: „Also mit dem Bart und den Tattoos bist Du voll der Typ meiner Freundin.“
„Ahjaaa…. schön…. und wo ist die?“ „Nicht da. Die lebt in …“ (hab’ ich vergessen).
„Aber ich würde dann gerne noch ein Foto von Dir für sie machen.“
„Nene, Du. Lass ma stecken.“
Den vorbeiflanierenden Stefan abgefangen, angemessen Wiedersehen zelebriert und die Piepsstimme bei ihm geparkt. Gotta go von Agnostic Front passt gerade wie Arsch auf Eimer. Bin dann mal weg. Viel Spaß Euch beiden.
Cool, vor der Bar steht ja der Thomas wieder und überlegt gerade ob er nicht lieber auch das Auto stehen lassen sollte. So wie Miss Schirmchendrink: „Digger, die Alte ging ja gar nicht. Musste da dringend weg.“ Bin auch der Meinung, dass er da dringend weg musste. Verdammt! Bier irgendwo stehen lassen. 99 Problems, but a beer ain’t one. Ersma neues holen. Mit nem Bier in der Hand den Blick schweifen lassen und gucken wer sich hier sonst noch so rumtreibt. Ah, meine Lieblings-Ex schwebt gerade ein. Schön. Mal winken. Verdammt! Warum sie mir die süße Blonde, die sie im Schlepptau hat, früher nie vorgestellt hat, wird mir jetzt auch klar. Aber da ich auch keine Rasierklingen zum Frühstück esse, verzichte ich auf diesen Thrill. Thomas wiederum, darf den Sidekick süß finden und tut es auch. Er findet aber trotzdem noch die Zeit meine Aufmerksamkeit hinter mich zu lenken: „Diggi, die Kleine da drüben schaut Dich aber ganz schön verliebt an!“
Kurz umgedreht. Stimmt. Ich grinse und versuche betont lässig durchblicken zu lassen, dass ich sie bemerkt hab. Sie guckt jetzt auch einigermaßen unkonzentriert an Ihrem Gesprächspartner vorbei und strahlt mich an. Na, das läuft ja. Ich wühl mich durch die schwitzende Menschenmasse und versuche zumindest halbwegs cool bei Ihr aufzuschlagen, wenn schon der Weg dorthin eher nur so medium souverän war. I think bad thoughts. Danke Danko. Ich auch.
„Hey! Magste was trinken?“ „Gerne“ „’Nen Jägermeister?“ Thomas gesellt sich zu uns. Wahrscheinlich um der Cocktail trinkenden Urologie-Arzthelferin, wie er vorhin erfahren musste, zu entgehen. Also drei Hörnerwhiskey. Ich wende mich der jungen Dame zu und frage: „Na, wie heißtn Du, Süsse?“
Sagmal, hat hier eigentlich irgendjemand sämtliche Eingangstüren aufgerissen und lässt diese verdammte Eisluft durch den ganzen Club strömen? Okay, war schon ein bisschen stickig, aber das geht ja jetzt schon ein wenig zu weit. Nee. Die Türen sind verschlossen wie immer. Ein Blick auf die Miene meiner Trinkgefährtin zeigt aber, dass der Temperatursturz im Raum irgendwie mit ihrer Laune zusammenhängen zu scheint. Sie schaut mich völlig entsetzt an: „Das ist jetzt aber nicht Dein Ernst?“
Irgendwie kommt mir die Stimme jetzt auch seltsam bekannt vor. „Du hast tatsächlich vergessen, dass Du letztes Wochenende mit mir geschlafen hast?!?!“
Fuuuuuck. Das ist die Frau, die ich letzte Woche schon mit Cameron Diaz verwechselt hatte. Naja, die Verwechslung hat sich spätestens in dem Moment aufgeklärt, als ich nächsten Morgen nen Kaffee auf ihrer antiken Couchgarnitur getrunken habe.
1. Weil Cameron sicherlich ‘nen Innenarchitekten beschäftigt, der dieses Sitzmobiliar als willkommenen Anlass für einen Harakiri erster Güte genommen hätte und 2. Weil Cameron mich sicherlich nicht mit zu sich nach Hause genommen hätte. Ja, soviel Realitätssinn konnte ich Sonntagmittag gerade noch aufbringen und dadurch rasiermesserscharfe, Holmes’sche Rückschlüsse ziehen. Momentan bin ich aber dem Anschein nach weit entfernt von messerscharf. Zumindest was den Verstand angeht.
Verdammt. Irgendwie sieht Cameron, die eigentlich Jennifer heißt, grad nicht so entspannt aus. Ich bins allerdings umso mehr. Die grandiose Situationskomik lässt uns, also Thomas und mich, in schallendes Gelächter ausbrechen. High Five. Sowas konnte doch wirklich nur mir passieren. Als wir uns wieder einkriegen ist Jennifer verschwunden. Schade eigentlich, ich hätte mich gerne noch in angemessener Demutshaltung vor ihr in den Staub geworfen um mich für mein unfassbar albernes Verhalten zu entschuldigen. Und für die Verwechslung. Klar finden Jungs, noch dazu betrunkene, sowas voll lustig. Dass sie dieser Situation eher nicht so viel abgewinnen kann wird mir schlagartig auch bewusst. Ein bisschen zu spät. Aber sie musste bestimmt dringend nach Hause um bei Amazon noch schnell ne bärtige Voodoo-Puppe zu bestellen. Die wurde gestern wohl geliefert. Ich bin gerade auf dem Weg zum Chiropraktiker. Mir tut alles weh. Im Autoradio lief gerade Love Hurts von Incubus.

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